Im Figurenverzeichnis am Anfang des Bandes vorgestellt, lassen sich die verschiedenen Charaktere erst schwer voneinander unterscheiden, aber mit der Zeit merkt man sich die treffenden Charakterisierungen: Hamlet hat die Augen auf Schlafzimmer-Halbmast, da er müde ist vom Erdendasein, Ophelia trägt als einzige einen neckischen Haarschopf, während sich die anderen meist nur in der Zeichnung ihrer Stirnfedern unterscheiden.
Das Dänemark des Comics ist ein eisiges - Gefrorenes wohin man blickt, passend zur unterkühlten Stimmung; das Schwarzweiß der Zeichnungen unterstützt diese Kälte sehr gut. Auch der Geist des Vaters kommt Hamlet auf Schlittschuhen entgegen und bindet sich während der unglaublichen Enthüllung des an ihm begangenen Mordes die Schnürsenkel. Tragik und Komik vereinen sich in den herrlichen Zeichnungen von Julia Kuhl auf geniale Weise.
Die Texte interagieren mit den Zeichnungen: Da windet sich ein Monolog in Kreisform um seinen Sprecher, so dass der Leser gezwungen ist, das großformatige Buch mehrmals im Uhrzeigersinn zu drehen. Das macht er aber gern, weil - Weltliteratur will auch erarbeitet sein!
Hamlets Liebesbrief an Ophelia erinnert in seiner Form an zahllose Teenagerzettelchen, wie sie auch heute noch durch die Schulbänke geschoben werden: Auch wenn es dort heißt: "Zweifle dass die Sterne brennen / zweifle dass die Sonne kreist / Dass wir Lüg von Wahrheit kennen / Wenn du dass ich liebe weißt" - an der Aussage "Willste mit mir gehen?" hat sich seit Jahrhunderten nichts geändert.
Autor
William Shakespeare
Verlag
Reclam, Ditzingen (9. September 2008)
Format
Reclam (Taschenbuch); (141 Seiten)
Sprache
Deutsch
Diesen Artikel haben wir am Montag, 25. Oktober 2010 in unseren Katalog aufgenommen.

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